François Fillon und die „neue Lust auf rechts“

Die Nominierung von François Fillon zeigt den Wunsch nach einem ausgeprägt konservativen Kandidaten. Seine Positionen zur islamischen Kultur unterscheiden sich nur wenig von jenen des Front National.
Frankreichs Konservative setzen auf einen programmatischen Rechtsruck, um die im kommenden Mai anstehenden Präsidentschaftswahlen für sich zu entscheiden. Das ist die Botschaft der innerparteilichen Kandidatenkür der “Republikaner”, aus der am Sonntag nach zwei Wahlrunden der ehemalige Premierminister François Fillon als klarer Sieger hervorging. Die Ergebnisse bestätigten, was in Frankreich seit einer Woche als Wunder einer politischen Auferstehung diskutiert wurde: Bis vor gut einem Monat war Fillon von allen Umfrageinstituten als völlig chancenlos eingestuft worden. Am Sonntag bekräftigte er seinen Willen, dem Land “einen kompletten Neustart” zu verordnen.Fillons Nominierung wirbelt alle bisherigen Annahmen über den Ablauf des kommenden Wahljahrs durcheinander. Seit Monaten hatte sich der gesamte Medien- und Politikbetrieb darauf eingestellt, dass sich der vielfach bewährte, aber zwischenzeitlich auch aufgrund von Finanzskandalen in Ungnade gefallene Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, als Kandidat der Rechten durchsetzen würde. Nun sind alle Weichen neu gestellt. Fillon setzt auf eine konservative Wiedergeburt, eine “Renaissance” traditioneller Werte, eine entschlossene Wende, sagte er am Sonntag, “wie es seit 30 Jahren keine mehr gegeben hat”.

Um 10 Minuten nach 21 Uhr trat Fillon am Sonntag vor seine Anhänger, um einen Sieg “gebaut auf Überzeugungen und Werten” zu feiern. Frankreich, sagte Fillon, der ständig von Jubelrufen und Sprechchören “Fillon! Président!” unterbrochen wurde, wolle “die Wahrheit”, und Frankreich wolle „Taten”. Die Bilanz des amtierenden Präsidenten François Hollande nannte Fillon “erschütternd”. Es brauche nun jeden einzelnen, um eine bessere Zukunft zu gestalten und “ein Land, in dem unsere Kinder wieder glücklich sind, Franzosen zu sein”. Er habe während seiner innerparteilichen Kampagne durchs Land eine Kraft gespürt, “die darauf wartet, dass ihre Stunde schlägt”. Davon gelte es nun, das ganze Land zu überzeugen, alle mitzunehmen, keiner werde fortan mehr ausgeschlossen.

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